Das weiße Tantra

Unter weißem Tantra sind alle Praktiken einzuordnen, die zwar erotisch oder sinnlich, als auch geistiger Art sind, jedoch den genitalen Vollzug vermeiden oder durch Symbole ersetzen.
Zwar wird auch hier körperliche Devotion vollzogen, jedoch grundsätzlich bekleidet, und an einer Monstranz oder einem Sakralgegenstand.

Die Vereinigung wird häufig nur im überpersönlichen gesehen, das Genitale als unrein oder nieder verstanden.
Die körperliche und sinnliche Lust wird transzendiert, ist also konkret nicht mehr vorhanden.
Die Ziele sind in jedem Fall transpersonal und unegoistisch und auf edle Ideale bezogen.
Gelegentlich tritt auch im weißen Tantra eine sexuelle Vereinigung in Erscheinung, dann jedoch nur in einer stellvertretenden Funktion oder im Bildwerk und wird häufig nur von verheirateten Paaren praktiziert.

Grundsätze des weißen Tantra sind:

- Bei den Ritualen tritt das Genitale nicht nackt in Erscheinung

- Niemand muss sich körperlich entblößen

- Die Meditation steht im Mittelpunkt oft als allein zu übende Technik

- Sexualität kommt allenfalls im geheimen oder privaten vor.

- Sinnlichkeit und Lust sind zu überwindende Begierden

- Die Reinheit der Gedanken steht im Vordergrund

- Gemeinsame Rituale gehen über Augen und Hautkontakt nicht hinaus

- Körperliche Übungen dienen zur Überwindung der sexuellen Gier

- Schüler und Schülerinnen schlafen getrennt

- strenger Vegetarismus oder spezielle Ernährung ohne anregende Wirkungen

- Drogenkonsum jeder Art ist verboten

- Homosexuelle oder Anhänger anderer Religionen sind oft ausgeschlossen oder müssen konvertieren

- Die Liturgie ist schöngeistig

- Frauen sind auf Grund ihres Geschlechts benachteiligt an der geistigen Entwicklung

- Das Männliche steht im Zentrum der Liturgie

- Deutliche Hierarchien zwischen Lehrer und Schüler und Schülerinnen

- Strenge Beachtung der Überlieferungslinie, oft durch einen Meister gegeben

- Religiöser Charakter mit geistiger Disziplin

- In den Gesängen wird die Linientreue beschworen

- Die Ikonografie ist unkörperlich oder abstrakt

- Die Gruppenzugehörigkeit wird oft durch Uniformen gezeigt

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