Das rote Tantra
Unter rotem Tantra sind alle Praktiken einzuordnen, die den ausgeübten Sexualverkehr mit einbeziehen, gleichgültig ob sie in ursprünglicher, also matriarchaler, oder späterer patriarchaler Form erscheinen.
Das bedeutet, in der Lehre der betreffenden Schule oder des Seminars, oder auch des Buches zu suchen, ob die geschlechtliche Vereinigung real vollzogen wird oder nicht.
Häufig wird rotes Tantra auch als linkshändiges bezeichnet, was eine negative Bewertung der Brahmanischen Ära ist, da Sexualität im Brahmanisch Hinduistischen als schmutzig und verboten galt, somit der linken Hand zugeordnet wurde im Gegensatz zur reinen, rechten Hand, mit welcher der Brahmane isst.
Die Sinnlichkeit und Lust bleibt, wenn auch transformiert und auf ein bestimmtes Ziel gerichtet, dennoch physiologisch erhalten.
Die Ziele können alles umfassen, also auch persönliche Absichten.
Grundsätze des roten Tantra sind:
- Schüler und Schülerin vereinigen sich unter Aufsicht des Lehrers rituell
- Sie vermeiden den Talorgasmus
- Vereinigungshaltungen, ihre Dauer und Abfolge sind vorgeschrieben
- Der ritualisierte Ablauf verbindet Meditationstechniken mit der Lust und kann vom Schüler nicht eigenmächtig abgeändert werden
- Tantrische Übungen sind auch genitale Trainings
- Orale und Anale Praktiken sind nicht verboten
- Keine Verbote in der Nahrung
- Zugehörigkeit zu Rasse, Religion, Stand oder Kaste ist irrelevant
- Homosexuelle sind nicht ausgeschlossen
- Drogenkonsum ist kontrolliert möglich
- Frauen sind auf Grund ihres Geschlechts nicht benachteiligt
- Das Weibliche steht im Zentrum der Liturgie
- Keine oder nur temporäre Hierarchien
- Experimenteller und spontaner Charakter bei körperlicher Disziplin
- Die Gesänge oder das Ambiente sind unorthodox
- Die Ikonografie ist erektil und plakativ


